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TITELTHEMA / STÖRCHE

Auf den Dächern Langenaus

Langenau, etwas nordöstlich von Ulm gelegen, ist eine der süddeutschen Storchen-Hochburgen. Die Einwohner lieben die geflügelten Gäste – aber es gibt auch Reibungen.

Regionales Tiere in der Region  ·  10. März 2026  ·  Aus Ausgabe 1/2026, S. 36, 37

Bild oben: Einige Störche überwintern mittlerweile in Langenau. Zu tun haben sie immer etwas – die fleißigen Tiere hören nie auf, an ihrem Nest zu bauen. Hier hat ein Storch einen Zweig gesammelt und stolziert mit ihm auf dem First des Rathauses.

Störche sind schwer zu übersehen. Wenn sie ihre Flügel ausbreiten, werfen sie einen weiten Schatten auf die Straßen, und was sie auf die Dächer bauen, sind keine Nester, sondern hölzerne Festungen, die bis zu einer Tonne wiegen können. Diese Auffälligkeit verdeckt, wie selten Störche eigentlich sind. Seit den 80ern hat sich der Bestand von 2.500 auf 7.500 Brutpaare in Deutschland erholt. Das klingt viel, ist aber verglichen mit 85 Millionen Menschen oder 400.000 Krähen-Brutpaaren verschwindend wenig. Der Bestand hat sich stabilisiert, erklärt der Langenauer Storchenbetreuer Jörg Müller, doch bedroht sind die Großvögel weiterhin.

In Langenau, einer der Storchen-Hochburgen Süddeutschlands, gibt es rund 40 Nester, in denen im Sommer gut 200 Störche wohnen. Ab März klappert und flattert es auf den Dächern, und staunende Besucher erblicken auf fast jedem ein Nest. Auf manchen, wie dem der Bäckerei Staib, leben sogar drei Familien in harmonischer Nachbarschaft nebeneinander.

Jörg Müller ist Storchenbetreuer von Langenau. Als Naturschützer für die ARGE Donaumoos verbringt er einen Großteil seiner Freizeit damit, sich um das Wildleben in den moorigen Wiesen an der Donau zu kümmern. · Bild: Sven Wolf

Ideales Umfeld für Störche

Die meisten Langenauer lieben ihre Störche. Aber nicht immer leben Mensch und Tier reibungsfrei zusammen. Wenn die Nester die Schornsteine verstopfen, darf man sie nur mit Genehmigung und nach der Brutzeit entfernen; und wenn die Jungvögel ihre Bürzel über den Nestrand heben, fließt der Kot sturzbachartig das Dach hinab. Das schadet den Ziegeln nicht, sagt Müller, sondern pflegt sie sogar, weil der Kot das Moos zersetzt. Doch wenn er wie bei der Volksbank die Nottreppe und Photovoltaikanlage verschmiert, stößt auch ehrliche Tierliebe an ihre Grenzen.

Im ganzen Stadtgebiet besetzen die Störche hoch gelegene Plätze, hier auf einer speziellen Plattform, die die Kirchengemeinde angebracht hat. Um fliegen zu lernen, müssen die Jungvögel zunächst hinabfallen. Erst erwachsene Störche können aus dem Stand abheben. · Bild: Sven Wolf

Den Standort Langenau haben sich die Störche ausgesucht, weil sie im nahen Donaumoos genügend Insekten, Mäuse und auch Amphibien als Nahrung finden. Doch wegen der Trockenheit wurde das Angebot im letzten Jahr knapper, weshalb einige Störche, erzählt Müller, die schwächeren Küken kurzerhand aus dem Nest werfen, um sich um die Stärkeren zu kümmern.

Das Leben der Störche ist hart. Im Herbst treibt der Instinkt die Jungvögel auf die Reise in den Süden, teilweise bis nach Afrika, meist aber nur bis Spanien. Von dieser Reise wird nur die Hälfte zurückkehren. Die alten Störche fliegen eigentlich nach – doch rund 14 Exemplare haben sich so gut in Langenau eingelebt, dass sie auch den Winter hier bleiben.

Langenau aus der Storchenperspektive. Auf dem Dach der Bäckerei Staib nisten gleich drei Paare in harmonischer Nachbarschaft. Kein Vogel in Deutschland baut so große Nester wie der Storch. Die Nester, die überwiegend aus Holz und Lehm bestehen, können bis zu einer Tonne schwer werden. · Bild: Sven Wolf

Wie monogam Störche wirklich sind, ist umstritten. In den großen Kolonien in Spanien wechseln sie vermutlich auch mal die Partner – und den Freundeskreis. Zumindest hat man in Langenau schon einen Storch angetroffen, der in Spanien geboren ist. Die beiden Prachtexemplare, die am Südgiebel des Rathauses wohnen, dürften sich aber treu bleiben.

Bild: Sven Wolf
Bild: Sven Wolf