Magazin für Tierschutz, Ernährung und Gesundheit in der Region Ulm, Neu-Ulm und Günzburg

Titelthema

Leben und leiden lassen

Eines gilt für fast alle Tiere in der Region: Sie sind vom Menschen abhängig. Manchmal zu ihrem Wohl – häufiger aber zu ihrem Leid.

Regionales Tiere in der Region  ·  10. März 2026  ·  Aus Ausgabe 1/2026, S. 32

Wir Menschen beherrschen und verwalten den gesamten Lebensraum, selbst da, wo er noch natürlich wirkt – einschließlich der Tiere in ihm.

Am deutlichsten wird dies im Leben der Nutztiere, der Schweine, Rinder, Hühner, Truthähne, Schafe. Ihr Leben unterliegt einer lückenlosen Kontrolle durch die Menschen. In den ausgedehnten Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg leben etwa 60.500 Rinder, 32.500 Schweine und 11.300 Schafe oder Ziegen. Allein in Neu-Ulm werden 76.000 Hühner, Truthähne und andere Geflügelarten gehalten.

Schweinezüchter findet man vor allem in der Region um Ehingen. Hier liefern viele Züchter ihre Ferkel an den Vermarkter Schleker. Nicht weit davon, im Ulmer Donautal, befindet sich einer der größten Schlachthöfe Süddeutschlands, und in Günzburg stellt OSI die Patties für McDonalds her. An der Massentierhaltung hängen zahlreiche Jobs, vermutlich Zehntausende. Allein in Günzburg gibt es 700 Rinder- und 140 Schweinehalter sowie hunderte Geflügelhalter. Dazu kommen die Schlachthöfe, Molkereien, Metzger, Köche, Tierärzte …

Eingriffe in Lebensräume

Die meisten Nutztiere leben unter unvorstellbar fürchterlichen Bedingungen. Der Mensch tritt ihnen gegenüber buchstäblich als Dämon auf. Um sie an die Haltungssysteme anzupassen, amputiert er den Puten die Schnäbel und den Ferkeln die Ringelschwänze; nach einem kurzen, freudlosen Leben tötet er sie dann, fast noch im Kindesalter.

Immerhin gibt es kleine Verbesserungen. Laut Veterinäramt Neu-Ulm haben „rechtliche Verschärfungen” sowie „klare Vorgaben im Verwaltungsvollzug” das Tierwohl in den vergangenen Jahren verbessert. In Günzburg mache sich, so das dortige Veterinäramt, der Einfluss der Discounter bemerkbar, die bessere Haltungsstufen verlangen und bezahlen – ohne dass dies den Schrecken der Massentierhaltung ernsthaft lindert.

Sehr viel besser verhält sich der Mensch den Wildtieren gegenüber. Auf der Alb sorgen Höhlenvereine dafür, dass Fledermäuse im Winterschlaf ihre Ruhe vor Störern haben. In Langenau freuen sich die Leute über die Störche, selbst wenn diese die Kamine verstopfen und die Dächer mit Kot bedecken. Und in Ulm sorgt ein Interessenverband dafür, dass Tauben artgerecht gefüttert werden.

Der Mensch hat den natürlichen Lebensraum der Tiere, die Wälder und Wiesen, unwiderruflich verändert. Er verleibt sie der Zivilisation ein – und erhält damit eine Verantwortung gegenüber den Tieren. In den Wäldern kontrollieren Förster die Population der Wildtiere – die mangels Wölfe keine Fressfeinde mehr, aber klimawandelsbedingt reichlich Nahrung haben –, in den Baggerseen um die Donau setzen Angelvereine Fische aus, um sie später wieder zu fangen, und an den feuchten Wiesen im Donaumoos und dem Arnecker Ried sorgen der NABU und die Arge Donaumoos dafür, dass Wildtiere gute Lebensbedingungen finden.

Das Zusammenleben von Menschen und Tieren ist kaum mehr zu überblicken. Kein Tier, das nicht vom Menschen abhängt, und viel mehr Menschen, die von Tieren abhängen, als man glaubt. Dabei zeigt sich aber ein bemerkenswerter Unterschied zwischen den Wildtieren, die der Mensch liebevoll umsorgt, und den Nutztieren, denen er ein meist qualvolles Leben auferlegt.