KATZENSCHUTZ
Keine Freigänger-Romantik
Die Katzenhilfe Ulm/Neu-Ulm kümmert sich seit 30 Jahren um ein Problem, das vom Menschen verursacht wurde: das der verwilderten Hauskatzen.
Oft kommt es vor, dass Menschen Hauskatzen aussetzen oder diese entlaufen. Deren Nachwuchs ist dann nicht mehr in der Lage, mit Menschen zu leben – aber auch nicht ohne sie.
Diese verwilderten Katzen streunen daher um die Zivilisation herum, etwa um Bauernhöfe oder in Industriegebieten wie dem Donautal, wo 300 bis 400 von ihnen leben.
Dieses Streunerleben hat weniger Freigängerromantik, als es manche Stubentiger ausmalen. „Wenn es wie im Donautal nicht genügend Mäuse gibt, ernähren sie sich aus den Mülltonnen,“ erzählt Mimi Barth von der Katzenhilfe, „Viele kommen krank zur Welt, mit kaputten Augen wegen des Katzenschnupfens. Sie sind auch voller Parasiten. Geschätzt 80 Prozent der streunenden Katzen erreichen nicht das erste Lebensjahr.“

Die Mitarbeiter der Katzenhilfe wirken der explodierenden Population entgegen. Sie fangen die Katzen mit Lebendfallen und lassen sie beim Tierarzt kastrieren, tätowieren und medizinisch versorgen, um sie danach wieder am ursprünglichen Ort auszusetzen
Helfen würde eine Katzenschutzverordnung, wie sie in vielen Bundesländern, aber auch Städten wie Senden bereits gilt. Diese verpflichtet jeden, der Katzen raus lässt, sie zu kastrieren und zu kennzeichnen, und berechtigt Tierschutzvereine, auch abgesperrte Grundstücke zu betreten, um Katzen einzufangen.
In Ulm versucht die Katzenhilfe mit Stadtrat Bastian Röhm und Amtsveterinär Manfred Chaloun, diese Verordnung zu aktivieren. Dafür zählen sie die streunenden Katzen, indem sie sie mit Wildkameras aufnehmen. Noch sträubt sich der Stadtrat. Aber Mimi Barth hofft, bei ihm 2026 Erfolg zu haben.