HUNDE-ERZIEHUNG
„Rausfinden, was funktioniert – und dann hartnäckig bleiben“
Lena Probst leitet die Ulmer Hundeschule Pedadogical und resozialisiert Problemhunde, die zum Teil auch schon gebissen haben. Hier gibt sie neun Tipps zur Hundeerziehung.
1. Die Rasse ist nicht alles, aber auch nicht nichts
Ein Rottweiler ist in der Tendenz anders als ein Labrador. Labradore sind als Familien- und Jagdhunde gezüchtet, Rottweiler, um Rinder zu treiben. Daher sollten sie auch unerschrocken bleiben, wenn ein Rindvieh nach ihnen tritt, was für viele Halter eine (zu) große Herausforderung ist.
2. Nur positive Erziehung funktioniert selten
Viele Hundetrainer raten, falsches Verhalten zu ignorieren und richtiges zu belohnen. Das kann (manchmal) bei einem Bilderbuch-Labrador funktionieren. Aber wenn ein Rottweiler einen anderen Hund fressen möchte, sollte man das nicht ignorieren.
3. Alle vier Quadranten einsetzen
Es gibt vier Quadranten der Lerntheorie: positive und negative Verstärkung sowie positive und negative Strafe. Sie sind, je nach Hund und Problem, nützlich, um dem Hund klar zu machen, was er darf und was nicht. Wenn er das nicht weiß, horcht er auch nicht.
4. Die richtige Methode ist individuell
Nicht jede Korrektur klappt bei allen Hunden. Bei meiner pubertierenden Rottweilerhündin hilft es, sie festzuhalten, bis sie akzeptiert, dass sie wo nicht hin darf. Bei anderen Hunden klappt Anleinen, Ignorieren, Wegschicken, klare Ansprachen oder mehr. Das muss man (mit kompetenter Anleitung) herausfinden.
5. Von Hunden lernen
Auch wenn der Hund beim zigten Versuch nicht hört, muss man ruhig bleiben. Ich atme dann durch und überlege manchmal, was ein anderer Hund tun würde. So verschafft sich einer meiner Älteren etwa effektiv Gehör, indem er die anderen kurz, aber entschieden anschnauzt.
6. Hartnäckigkeit ist alles
Kaum eine Korrektur funktioniert beim ersten Mal. Man muss sie fünfmal, zehnmal, hundertmal wiederholen – bis der Hund versteht, dass es gilt. Man muss hartnäckiger bleiben als der Hund. Das ist das wichtigste: rausfinden, was funktioniert, und dann hartnäckig bleiben.
7. Räumliche Abtrennung ist keine Dauerlösung
Wenn ein Hund überfordert ist, kann es sinnvoll sein, ihn räumlich abzutrennen. Etwa wenn Besuch kommt, und man erst selbst rausfinden will, wie der Mensch drauf ist. Aber dauerhaft sollte ein Hund lernen, mit solchen Situationen klar zu kommen.
8. Falsch loben und strafen schadet
Sowohl Strafen als auch Lob können falsch platziert sein. Etwa bei der Leinenführigkeit. Oft lernt man, stehen zu bleiben, wenn der Hund zieht, und dann ein Leckerli zu geben, wenn er sich rückorientiert. Manche Hunde bauen dabei eine Verhaltenskette vom Ziehen zum Leckerli auf.
9. Kühl bleiben – auch wenn der Hund zubeißt
Wenn ein Hund beißt, muss man ruhig bleiben und ihm entschieden klar machen, dass er das nicht darf. Angst zeigen oder Nachgeben würde ihn belohnen. Nach einem ernsthaften Biss taste ich mich vorsichtig wieder an solche Situationen heran, bis ich mir sicher bin, wieder souverän zu reagieren.