STAND UP FOR THEIR RIGHTS!
Aktivismus
Viele Veganer erzählen dasselbe: Wenn man einmal ins Bewusstsein lässt, dass das, was da auf dem Teller liegt, einmal ein lebendes Tier war, mit Augen und mit Seele, passiert der Rest von selbst.
Ab da wird es einfach, geradezu zwingend, auf tierische Produkte zu verzichten. Denn die Wahrheit ist schlicht: Wir verursachen ein endloses Tierleid – eineinhalb Millionen tote Schweine nur im Schlachthof Ulm – und das ohne jede Not. Wir Menschen können uns auch ohne Fleisch den Bauch prima füllen und die Füße ohne Leder wärmen.
Und dabei liebt doch jeder Tiere! Die meisten Menschen reagieren mit Abscheu, wenn einer ein Tier aus niedrigen Gründen quält … nur um kurz darauf eine Semmel mit Leberkäs’ zu verputzen. – Wie können Liebe und unnötiges Leid so sehr Hand in Hand gehen?
Viele Veganer bringt dieser Widerspruch zur Verzweiflung. Sie würden die Mischköstler unter uns am liebsten schütteln, bis ihnen das Brett vorm Kopf wegfällt! Aktivisten wie Johannes und Stefan versuchen genau das: Sie werden laut für die Tiere, was nicht jedem unbedingt gefällt – aber manchen hilft, einen überreifen Groschen fallen zu lassen.
Anonymous for the Voiceless

„Die meisten Leute reagieren erschrocken – wie normale Menschen, die Empathie haben.“
Man findet Stefan, 19 Jahre alt und Mathestudent an der Uni Augsburg, am Abend meist in einer Fußgängerzone. Einmal die Woche in Ulm, Ingolstadt und Augsburg, zweimal die Woche in München. Dort spricht Stefan für die „Anonymous for the Voiceless“ Passanten an, während einer aus der Gruppe mit Guy-Fawkes-Maske einen „Cube“ hält, einen Bildschirm auf der Brust, manchmal noch am Rücken, auf dem der Film „Dominion“ läuft – schwer erträgliche Szenen der alltäglichen Tierqual in Schlachthäusern und Ställen hinter der Fassade unseres Alltags.
Die Gruppe versucht, Empathie für die Tiere zu wecken, und fordert die Passanten auf, künftig vegan zu leben. In Ulm trifft man sie seit Juli 2025 jeden Donnerstag von 17 bis 20 Uhr in der Fußgängerzone zwischen Münster und Bahnhof. Das lose verbundene Netzwerk hilft dabei, sich nicht allein zu fühlen und gute Argumentations-Strategien zu finden. So oft die fürchterlichen Videos auf den Cubes zu sehen, schlägt Stefan manchmal aufs Gemüt – aber laut für die Tiere zu werden gibt ihm Sinnhaftigkeit und Resilienz.
Mitmachen? Kommt vorbei oder vernetzt euch auf Instagram: @av.ulm

PETA Street Team: „Der Aktivismus hat mich selbstbewusster gemacht.“
„Viele Leute erkennen den Widerspruch, Tiere zu respektieren, sie aber dann eine Ecke weiter auszubeuten.”
Tierrechte und Tierschutz sind 2025 nicht mehr irgendein „Tabu-Thema“, sondern eines, das junge Menschen laut, sichtbar und politisch macht.
Etwa den 27-jährigen Ulmer Aktivisten Johannes Held, der im Sommer 2025 entschieden hat, den Tierrechts-Aktivismus in Ulm neu aufleben zu lassen. Schon früher war Johannes Mitaktivist der mittlerweile inaktiven Ulmer Earthlings. Im vergangenen Jahr stellte er das PETA-Streetteam auf die Beine, eine Gruppe aus 20 Leuten, die Aktionen planen und zusammen die Öffentlichkeit suchen.

Das Besondere: Sie müssen das Demomaterial nicht selbst basteln. Die Tierschutzorganisation PETA stellt Flyer, Banner, Plakate und Kostüme zur Verfügung. Dadurch wirken die Demos nicht wie hemdsärmelig vorbereitet, sondern professionell und einheitlich, was für die Reichweite und Wahrnehmung wichtig ist.
Johannes’ Engagement kommt nicht aus dem Nichts. Er wurde schon mit 15 vegan, zu einer Zeit, in der es noch keine „veganen Chicken Nuggets“ in jedem Supermarkt gab. Früher hatte er sich nichts sehnlicher gewünscht, als einen Freund, der auch vegan ist. Heute hat er eine Gemeinschaft mit dem gleichen Mindset: sein Team.
Mit seinen Mitstreitern hat er schon mehrere Aktionen auf die Beine gestellt: Der Veganstart im Juni, Zoos abschaffen im August, Hundemilch im September sowie Tiere raus aus dem Zirkus und vegane Festtage im Dezember. Sehr spannend war auch eine Demo vor dem Tiergarten in Ulm im August 2025; im Ulmer Roxy durften sie bei einer Show der veganen Komödiantin Maria-Clara Groppler einen Infotisch veranstalten.
Bei den Aktionen tragen die meisten Mitglieder der Gruppe Masken und Kostüme, etwa als Erbse, Hund oder Zirkustier. Johannes dagegen steht „meist ohne Maske dabei als Ansprechpartner für Leute, die aufmerksam werden“. Er zeigt ihnen, um was es geht und warum. Oft reagieren Passanten skeptisch, aber interessiert. „Zu einer körperlichen Auseinandersetzung kam es noch nie“, erzählt Held erleichtert. Und wir hoffen, dass es dabei bleibt.