Magazin für Tierschutz, Ernährung und Gesundheit in der Region Ulm, Neu-Ulm und Günzburg

INTERVIEW

„Bei Großbetrieben wird die tierschutzkonforme Betäubung und Tötung der Tiere durch Spezialfirmen durchgeführt.“

Die Vegionale hat mit Dr. Barbara Gneiser-Schupp, der Leiterin des Günzburger Veterinäramts, über die Vogelgrippe in der Region gesprochen. Sie erklärt uns, wie man vor Ort reagiert, wenn die Seuche auch hier ausbricht - und warum Landwirte, die ihre Hühner in den Stall sperren, die Eier dennoch als Freilandeier verkaufen dürfen.

Regionales Interviews  ·  10. März 2026  ·  Aus Ausgabe 1/2026, S. 16, 17

Nachdem die Vogelgrippe in der Region aufgetreten ist – wie gehen Sie damit um?

Es gab im November einen Vorfall im Alb-Donau-Kreis. Um diesen herum wird laut Verordnung eine Schutzzone von drei Kilometern und eine Überwachungszone von zehn Kilometern eingerichtet. In diese laufen die Landkreise Günzburg und Neu-Ulm mit hinein. Bei uns sind es Teile von Günzburg, nämlich Riedhausen, und Leipheim mit den Ortsteilen Weisingen und Riedheim, wobei etwa 30–40 Betriebe betroffen sind. Darunter aber auch Kleinstbetriebe mit nur etwa 10 Hühnern.

Was passiert in der Überwachungszone?

Zunächst gilt eine Aufstallungspflicht: alle Tiere müssen in den Stall, sozusagen ein Lockdown. Dann kontrollieren wir alle Betriebe und Herden und testen stichprobenweise auf Vogelgrippe. Auch wenn ein wild lebendes Wassergeflügel auffällig erkrankt, nehmen wir Proben. Bisher waren alle Tests zum Glück negativ.

Was würde passieren, wenn ein Test positiv ausfällt?

Etwas ähnliches wie im Alb-Donau-Kreis: Wir müssen die entsprechenden Maßnahmen einleiten, die die Verordnungen vorsehen. Wir müssen eine Schutz- und Überwachungszone einrichten mit Vorgaben für die dort gehaltenen und betroffenen Tierarten, alle Tiere in der betroffenen Herde keulen und den Betrieb im Anschluss reinigen und desinfizieren lassen.

Keulen bedeutet, dass alle Tiere im Stall getötet werden?

Ja. Die Keulung verhindert das Ausbreiten der Seuche und reduziert das Tierleid. In kleinen Betrieben werden die Vögel etwa in einem elektrischen Wasserbad betäubt und anschließend entblutet oder euthanasiert. Bei Großbetrieben wird die tierschutzkonforme Betäubung und Tötung der Tiere durch Spezialfirmen durchgeführt, hier kommt beispielsweise Gas wie C02 zur Anwendung.

Werden dann die Besitzer der Tiere entschädigt?

Ja, meistens, wenn die Tierhalter Mitglied einer Tierseuchenkasse sind. Die Viehhalter zahlen Mitgliedsbeiträge in diese ein. Aber auch die Länder beteiligen sich an der finanziellen Ausstattung der Tierseuchenkassen.

Wie ist es mit den Eiern? Gelten die trotz Stallpflicht als Freilandei?

Wenn es eine Allgemeinverfügung für das Gebiet gibt, ja. Der Landwirt wäre im Nachteil, weil er sein Huhn nicht mehr ins Freiland lassen darf. Wenn ein Viehhalter dagegen freiwillig aufstallt, noch bevor wir es verordnen, verliert er die Haltungsform. Es wäre zwar aus Gründen des Seuchenschutzes sinnvoll, wenn Geflügelhalter präventiv aufstallen, aber dann muss der Legehennenhalter die Regelungen der Haltungsformen für die Deklaration von Eiern natürlich einhalten.

Was macht Ihnen am meisten Sorgen bei der Geflügelpest?

Bezogen auf den Alb-Donau-Kreis nichts. Das scheint unter Kontrolle und ich gehe davon aus, dass wir die Überwachungszone nach 30 Tagen wieder aufheben. Schlimmer sind Bedrohungen durch Wildvögel, etwa über den Kot. Das lässt sich kaum kontrollieren. Wenn die Hühner im Stall sind, kann durch Biosicherheitsmaßnahmen, etwa das Wechseln von Schuhen und Kleidung am Eingang, ein Einschleppen in den Bestand verhindert werden. Aber im Freiland? Wie soll verhindert werden, dass Vogelkot in den Außenstall fällt?

Gefährdet die Vogelgrippe auch Wildvögel?

Ja. Wir sehen das derzeit mit den Kranichen, von denen in Deutschland schon einige tausend gestorben sind. Für Singvögel ist das Virus dagegen aktuell eher harmlos. Im Wildvogelbereich sind neben Kranichen vor allem Enten, Schwäne und Gänse bedroht. Hühner sind aber besonders empfänglich und werden am stärksten krank. Enten und Gänse sind in der Regel eher symptomlos, aber es gibt auch Virusvarianten, die selbst diese Tiere, wie vor kurzem im Alb-Donau-Kreis, in kürzester Zeit massiv erkranken und sterben lassen. Aber aktuell ist nicht davon auszugehen, dass ganze Wildtierarten durch das Virus aussterben.

Ist die Geflügelpest durch die Massentierhaltung entstanden, wie man sagt?

Natürlich nützt es einem Virus, wenn Tiere eng aufeinander wohnen, das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Mutation. Aber es ist zu einfach, alles auf die sogenannte Massentierhaltung oder die Landwirtschaft zu schieben. In der Natur treten ja auch Viren auf und verändern sich und die derzeitige Welle wird vor allem von Wildvögeln getragen.

Kann die Vogelgrippe auch für Menschen gefährlich werden?

Ein Risiko besteht immer. In Amerika hat man das Vogelgrippe-Virus in Eutern von Milchkühen und damit in der Kuhmilch gefunden. Wenn man die Milch dann roh verzehrt, landet das Virus im menschlichen Körper. Das kann theoretisch auch durch rohe Eier geschehen. Aber um uns zu schaden, müssen wir Menschen erstmal für das Virus empfänglich sein und wir haben ja auch noch unser Immunsystem, das uns vor Erregern schützt. Daher sehe ich außer vielleicht in Einzelfällen bei besonders anfälligen Personengruppen aktuell keine akute Gefahr.

Vogelgrippe in der Region

Die Region blieb bisher weitgehend von der Vogelgrippe verschont. Der einzige nennenswerte Fall ist ein Hof in Öllingen im Alb-Donau-Kreis, der nach einem Ausbruch der Vogelgrippe 15.000 Enten, Hühner und Gänse töten musste. Ansonsten wurden nur vereinzelt verendete Wildvögel gefunden, vor allem Graugänse.