{"id":126,"date":"2026-03-10T09:00:00","date_gmt":"2026-03-10T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/regionales\/interview-amtstieraerztin-gneiser-schupp\/"},"modified":"2026-07-14T16:20:49","modified_gmt":"2026-07-14T14:20:49","slug":"interview-amtstieraerztin-gneiser-schupp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/regionales\/interview-amtstieraerztin-gneiser-schupp\/","title":{"rendered":"\u201eBei Gro\u00dfbetrieben wird die tierschutzkonforme Bet\u00e4ubung und T\u00f6tung der Tiere durch Spezialfirmen durchgef\u00fchrt.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nachdem die Vogelgrippe in der Region aufgetreten ist \u2013 wie gehen Sie damit um?<\/strong><\/p>\n<p>Es gab im November einen Vorfall im Alb-Donau-Kreis. Um diesen herum wird laut Verordnung eine Schutzzone von drei Kilometern und eine \u00dcberwachungszone von zehn Kilometern eingerichtet. In diese laufen die Landkreise G\u00fcnzburg und Neu-Ulm mit hinein. Bei uns sind es Teile von G\u00fcnzburg, n\u00e4mlich Riedhausen, und Leipheim mit den Ortsteilen Weisingen und Riedheim, wobei etwa 30\u201340 Betriebe betroffen sind. Darunter aber auch Kleinstbetriebe mit nur etwa 10 H\u00fchnern.<\/p>\n<p><strong>Was passiert in der \u00dcberwachungszone?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst gilt eine Aufstallungspflicht: alle Tiere m\u00fcssen in den Stall, sozusagen ein Lockdown. Dann kontrollieren wir alle Betriebe und Herden und testen stichprobenweise auf Vogelgrippe. Auch wenn ein wild lebendes Wassergefl\u00fcgel auff\u00e4llig erkrankt, nehmen wir Proben. Bisher waren alle Tests zum Gl\u00fcck negativ.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrde passieren, wenn ein Test positiv ausf\u00e4llt?<\/strong><\/p>\n<p>Etwas \u00e4hnliches wie im Alb-Donau-Kreis: Wir m\u00fcssen die entsprechenden Ma\u00dfnahmen einleiten, die die Verordnungen vorsehen. Wir m\u00fcssen eine Schutz- und \u00dcberwachungszone einrichten mit Vorgaben f\u00fcr die dort gehaltenen und betroffenen Tierarten, alle Tiere in der betroffenen Herde keulen und den Betrieb im Anschluss reinigen und desinfizieren lassen.<\/p>\n<p><strong>Keulen bedeutet, dass alle Tiere im Stall get\u00f6tet werden?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Die Keulung verhindert das Ausbreiten der Seuche und reduziert das Tierleid. In kleinen Betrieben werden die V\u00f6gel etwa in einem elektrischen Wasserbad bet\u00e4ubt und anschlie\u00dfend entblutet oder euthanasiert. Bei Gro\u00dfbetrieben wird die tierschutzkonforme Bet\u00e4ubung und T\u00f6tung der Tiere durch Spezialfirmen durchgef\u00fchrt, hier kommt beispielsweise Gas wie C02 zur Anwendung.<\/p>\n<p><strong>Werden dann die Besitzer der Tiere entsch\u00e4digt?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, meistens, wenn die Tierhalter Mitglied einer Tierseuchenkasse sind. Die Viehhalter zahlen Mitgliedsbeitr\u00e4ge in diese ein. Aber auch die L\u00e4nder beteiligen sich an der finanziellen Ausstattung der Tierseuchenkassen.<\/p>\n<p><strong>Wie ist es mit den Eiern? Gelten die trotz Stallpflicht als Freilandei?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn es eine Allgemeinverf\u00fcgung f\u00fcr das Gebiet gibt, ja. Der Landwirt w\u00e4re im Nachteil, weil er sein Huhn nicht mehr ins Freiland lassen darf. Wenn ein Viehhalter dagegen freiwillig aufstallt, noch bevor wir es verordnen, verliert er die Haltungsform. Es w\u00e4re zwar aus Gr\u00fcnden des Seuchenschutzes sinnvoll, wenn Gefl\u00fcgelhalter pr\u00e4ventiv aufstallen, aber dann muss der Legehennenhalter die Regelungen der Haltungsformen f\u00fcr die Deklaration von Eiern nat\u00fcrlich einhalten.<\/p>\n<p><strong>Was macht Ihnen am meisten Sorgen bei der Gefl\u00fcgelpest?<\/strong><\/p>\n<p>Bezogen auf den Alb-Donau-Kreis nichts. Das scheint unter Kontrolle und ich gehe davon aus, dass wir die \u00dcberwachungszone nach 30 Tagen wieder aufheben. Schlimmer sind Bedrohungen durch Wildv\u00f6gel, etwa \u00fcber den Kot. Das l\u00e4sst sich kaum kontrollieren. Wenn die H\u00fchner im Stall sind, kann durch Biosicherheitsma\u00dfnahmen, etwa das Wechseln von Schuhen und Kleidung am Eingang, ein Einschleppen in den Bestand verhindert werden. Aber im Freiland? Wie soll verhindert werden, dass Vogelkot in den Au\u00dfenstall f\u00e4llt?<\/p>\n<p><strong>Gef\u00e4hrdet die Vogelgrippe auch Wildv\u00f6gel?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Wir sehen das derzeit mit den Kranichen, von denen in Deutschland schon einige tausend gestorben sind. F\u00fcr Singv\u00f6gel ist das Virus dagegen aktuell eher harmlos. Im Wildvogelbereich sind neben Kranichen vor allem Enten, Schw\u00e4ne und G\u00e4nse bedroht. H\u00fchner sind aber besonders empf\u00e4nglich und werden am st\u00e4rksten krank. Enten und G\u00e4nse sind in der Regel eher symptomlos, aber es gibt auch Virusvarianten, die selbst diese Tiere, wie vor kurzem im Alb-Donau-Kreis, in k\u00fcrzester Zeit massiv erkranken und sterben lassen. Aber aktuell ist nicht davon auszugehen, dass ganze Wildtierarten durch das Virus aussterben.<\/p>\n<p><strong>Ist die Gefl\u00fcgelpest durch die Massentierhaltung entstanden, wie man sagt?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich n\u00fctzt es einem Virus, wenn Tiere eng aufeinander wohnen, das erh\u00f6ht die Wahrscheinlichkeit einer Mutation. Aber es ist zu einfach, alles auf die sogenannte Massentierhaltung oder die Landwirtschaft zu schieben. In der Natur treten ja auch Viren auf und ver\u00e4ndern sich und die derzeitige Welle wird vor allem von Wildv\u00f6geln getragen.<\/p>\n<p><strong>Kann die Vogelgrippe auch f\u00fcr Menschen gef\u00e4hrlich werden?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Risiko besteht immer. In Amerika hat man das Vogelgrippe-Virus in Eutern von Milchk\u00fchen und damit in der Kuhmilch gefunden. Wenn man die Milch dann roh verzehrt, landet das Virus im menschlichen K\u00f6rper. Das kann theoretisch auch durch rohe Eier geschehen. Aber um uns zu schaden, m\u00fcssen wir Menschen erstmal f\u00fcr das Virus empf\u00e4nglich sein und wir haben ja auch noch unser Immunsystem, das uns vor Erregern sch\u00fctzt. Daher sehe ich au\u00dfer vielleicht in Einzelf\u00e4llen bei besonders anf\u00e4lligen Personengruppen aktuell keine akute Gefahr.<\/p>\n<h2>Vogelgrippe in der Region<\/h2>\n<p>Die Region blieb bisher weitgehend von der Vogelgrippe verschont. Der einzige nennenswerte Fall ist ein Hof in \u00d6llingen im Alb-Donau-Kreis, der nach einem Ausbruch der Vogelgrippe 15.000 Enten, H\u00fchner und G\u00e4nse t\u00f6ten musste. Ansonsten wurden nur vereinzelt verendete Wildv\u00f6gel gefunden, vor allem Graug\u00e4nse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vegionale hat mit Dr. Barbara Gneiser-Schupp, der Leiterin des G\u00fcnzburger Veterin\u00e4ramts, \u00fcber die Vogelgrippe in der Region gesprochen. Sie erkl\u00e4rt uns, wie man vor Ort reagiert, wenn die Seuche \u2026<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":127,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_veg_vorspann":"Die Vegionale hat mit Dr. Barbara Gneiser-Schupp, der Leiterin des G\u00fcnzburger Veterin\u00e4ramts, \u00fcber die Vogelgrippe in der Region gesprochen. Sie erkl\u00e4rt uns, wie man vor Ort reagiert, wenn die Seuche auch hier ausbricht - und warum Landwirte, die ihre H\u00fchner in den Stall sperren, die Eier dennoch als Freilandeier verkaufen d\u00fcrfen.","_veg_dachzeile":"INTERVIEW","_veg_quelle":"Aus Ausgabe 1\/2026, S. 16, 17","footnotes":""},"categories":[18,3],"tags":[],"class_list":["post-126","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews","category-regionales"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=126"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":546,"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/126\/revisions\/546"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/media\/127"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}