{"id":114,"date":"2026-03-10T09:00:00","date_gmt":"2026-03-10T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/news\/eu-moechte-sojaschnitzel-zensieren\/"},"modified":"2026-07-14T16:20:49","modified_gmt":"2026-07-14T14:20:49","slug":"eu-moechte-sojaschnitzel-zensieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/news\/eu-moechte-sojaschnitzel-zensieren\/","title":{"rendered":"EU m\u00f6chte Sojaschnitzel zensieren"},"content":{"rendered":"<p>Im Herbst erntete das Europaparlament reichhaltig Spott und H\u00e4me. Das EU-Organ hatte sich der Fleischindustrie etwas zu offensichtlich als linke Hand angeboten.<\/p>\n<p>Das Parlament best\u00e4tigte einen Gesetzesentwurf, der Bezeichnungen wie etwa \u201eVegane Wurst\u201d oder \u201eSoja-Schnitzel\u201d EU-weit verbieten soll. Mehr als 30 Begriffe \u2013 darunter auch Speck, Brust, Huhn und Rind \u2013 bleiben demnach Waren vorbehalten, die Teile toter Tiere enthalten, angeblich, um zu verhindern, dass der Verbraucher in die Irre gef\u00fchrt wird. Trotz entschiedener Proteste aus der Wirtschaft \u2013 darunter auch von Aldi, Lidl und Burger King \u2013 stimmte das Europaparlament im Oktober f\u00fcr den Entwurf.<\/p>\n<p>Absurderweise hatte der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) erst 2024 das glatte Gegenteil geurteilt: EU-Staaten d\u00fcrften Begriffe wie Soja-Schnitzel, so der EuGH, eben nicht verbieten, da bereits die bestehenden Beschreibungs-Auflagen ausreichen, um Verbraucher vor Irref\u00fchrung zu sch\u00fctzen \u2013 also davor, versehentlich doch keine Teile toter Teile in den Einkaufswagen zu legen.<\/p>\n<p>Bezweifelt das Europaparlament damit das Urteil des EuGH? Oder unterstellt es dem Verbraucher, binnen eines Jahres Urteilsf\u00e4higkeit abgebaut zu haben? Oder \u2013 und das ist am wahrscheinlichsten \u2013 vertritt es schlicht und ohne Skrupel die Interessen der Fleischindustrie? Die sieht sich n\u00e4mlich angesichts stagnierender oder r\u00fcckl\u00e4ufiger Ums\u00e4tze zu Recht von der dynamischeren Ersatzprodukte-Branche bedroht. Denn langfristig gehen \u201etierische\u201d Schnitzel im Preiskampf gegen die pflanzlichen Alternativen unter. Es ist eben effektiver, Proteine, die auf dem Feld wachsen, direkt zu verwursten und zu verschnitzeln, anstatt mit ihnen erst ein Tier zu m\u00e4sten.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img width=\"279\" height=\"239\" src=\"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img-010-039.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" \/><figcaption>Fleischersatzprodukte (vegetarisch und vegan) \u2013 Produktion in Deutschland (Grafik) \u00b7 <span class=\"bildnachweis\">Bild: Envato<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>In der deutschen Presse erntete das Europaparlament von rechts bis links Unverst\u00e4ndnis und Spott. Selbst Landwirtschaftsminister Alois Rainer \u2013 immerhin Metzgermeister von Beruf und Parteigenosse von Bayerns ewigem Fleischfluencer Markus S\u00f6der \u2013 reagierte reserviert. Ein solches Verbot w\u00fcrde in der Sache wenig helfen und unn\u00fctz B\u00fcrokratie und Kosten verursachen. Rainer signalisierte also seine Ablehnung \u2013 womit das Verbot im Grunde schon vom Tisch ist.<\/p>\n<p>Denn damit ein EU-Gesetz in Kraft tritt, muss es nicht nur vom Europaparlament entschieden, sondern unter anderem auch vom Europarat best\u00e4tigt werden. Dieser setzt sich aus den Fachministern der Mitgliedstaaten zusammen, darunter auch Rainer. Die ersten Vorverhandlungen blieben erwartungsgem\u00e4\u00df ohne Ergebnis, weshalb man die Abstimmung auf 2026 verschoben hat.<\/p>\n<p>Interessanterweise stecken hinter Rainers Ablehnung wohl nicht nur die B\u00fcrokratie, sondern auch die Interessen der deutschen Landwirte. Die erschlie\u00dfen sich mit pflanzlichen Proteinen \u2013 etwa Acker- und Sojabohnen oder Erbsen \u2013 l\u00e4ngst neue Wachstumsm\u00e4rkte. Die Ern\u00e4hrungswende ist, anders gesagt, bereits auf den Feldern angekommen.<\/p>\n<h2>Ersatzprodukte: Daten und Fakten<\/h2>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img width=\"249\" height=\"395\" src=\"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img-011-041.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" srcset=\"https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img-011-041.jpg 249w, https:\/\/test.vegionale.de\/cbot\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img-011-041-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/><figcaption>J\u00e4hrlicher Fleischkonsum in Deutschland in kg Schlachtgewicht pro Kopf (Grafik) \u00b7 <span class=\"bildnachweis\">Bild: Bertsche Spiegel oder Envato (Zuordnung im Heft nicht eindeutig)<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Konsum von veganen Ersatzprodukten steigt. 2024 konsumierten die Deutschen 126.500 Tonnen (etwa 1,5 Kilogramm je Kopf), womit sich der Markt seit 2019 verdoppelt hat. Im Jahr 2024 wuchs der Umsatz um 10,9 Prozent von 583,2 auf 647,1 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Anders sieht es bei Fleischwaren aus. Deren Umsatz sinkt oder stagniert seit einigen Jahren, 2024 etwa von 44,8 auf 44,3 Milliarden Euro. Je Kopf a\u00df man in Deutschland 53,2 Kilogramm Fleisch, also ein Vielfaches mehr als Ersatzprodukte.<\/p>\n<p>Eine Trendwende ist von einem Benennungsverbot nicht zu erwarten. Dies zeigt das Beispiel der Milch. Seit 2017 d\u00fcrfen laut EU-Recht Milchalternativen aus Pflanzen nicht mehr Milch hei\u00dfen. Daher drucken Hersteller Titel wie Hafer-, Mandel- oder Sojadrink auf die Packung. Dem Absatz der hat dies aber nichts geschadet.<\/p>\n<p>Allein zwischen 2020 und 2023 stieg der Umsatz veganer Milchalternativen um stolze 85 Prozent auf 805 Millionen Euro, w\u00e4hrend echte Milch so wenig verkauft wird wie zuletzt 1991.<\/p>\n<p>Die Deutschen tranken 2023 im Schnitt nur noch 46 Kilogramm Kuhmilch, denen knapp f\u00fcnf Liter pflanzliche Milch gegen\u00fcberstehen, also gut 10 Prozent. Ein Verbot des f\u00fcr die Verbraucher naheliegenden Titels, eben der Milch, \u00e4nderte nichts am Aufstieg der pflanzlichen Alternativen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Europaparlament will es verbieten, veganen Ersatzprodukten Titel wie \u201eSchnitzel\u201c oder \u201eWurst\u201c zu geben. 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